Wettbewerb Bioinformatik Universität Gießen

Die Gebäudestruktur des Biomedizinischen Forschungszentrum verbindet die komplexen Anforderungen des Raumprogramms mit ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten bei der Bebäudeerstellung und dessen Unterhalt. Der kompakte Baukörper gliedert sich in drei Riegel, die mit großzügigen Verbindungszonen zusammengeschlossen werden. Im Erdgeschoss befinden sich die öffentlich zugänglichen Bereiche mit Hörsälen und Bibliothek. Über Zugangskontrollen werden die Forschungsbereiche in den Ober-geschossen erschlossen. Die einzelnen Institute entwickeln sich jeweils in die Tiefe der Riegel, dabei erfolgt eine Staffelung der Sicherheitsbereiche von S0- bis S3-Laboren.

Leitidee, Städtebau

Der Entwurf wird von dem Leitbild geprägt, der Zersiedelung auf dem Klinik- und Universitätsgelände entgegenzuwirken.

Alle neuen Gebäude werden durch eine verbindende Fläche zusammengehalten. Sie stellt das „Basement" dar, auf dem sich alle Baukörper in ihrer Form frei entwickeln. Gleichzeitig ist sie Haupterschließungszone der einzelnen Institutsbaukörper, Hörsäle, Seminarbereiche und Pausenflächen und übernimmt dadurch eine übergeordnete Funktion. Durch die abfallende Topografie entsteht durch diese Fläche ein Plateau, dessen Kante zu einer klar definierten Trennung zwischen dem Naturraum und dem Campus - Gelände führt. Unter dieser, teilweise als Platte ausgebildeten Fläche, sind die großteils natürlich belichteten und belüfteten Kfz-Stellplätze und die Andienung des Forschungszentrums untergebracht. Auch die Klinikapotheke und das spätere Logistikzentrum finden durch diese Struktur einen Halt im Gesamtgefüge. Ebenso wie beim Forschungszentrum wird auch hier die Geländetopografie genutzt, um die externe Anlieferung unter der Platte und die hochschulinterne Anbindung darüber, auf dem Plateau, herzustellen.

Freiflächen

Durch die Konzentration der Nutzungen entlang der Paul-Meimberg-Straße wird die nach Westen abfallende Wiese freigehalten. Sie ist mit den Grünanlagen der Klinik Seltersberg verknüpft und bildet so einen Grünzug, der bis zum Behördenzentrum an der Schubertstraße reicht. Der Grünzug wird durch neue Wegeverbindungen, zusätzliche Baumpflanzungen und durch Regenrückhaltebecken für Oberflächenwasser, die gleichzeitig als natürliche Biotope ausgebildet sind, aufgewertet. Auch eine natürliche Reinigung von verunreinigtem Wasser in Schilfbiotopen ist möglich.

Erschließung

Die verkehrstechnische Erschließung des neuen Universitäts-Campus erfolgt vom Aulweg aus. Hier findet auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr (Bushaltestellen) und das Fuß- und Radwegenetz der Stadt statt.
Die Paul-Meimberg-Straße wird als interne Verbindungsstraße des Universitäts- und Klinikgeländes rückgebaut und in ihrem Querschnitt verkleinert. Ihr angelagert ist die Vorzone des neuen Forschungszentrums, die, ähnlich einer Esplanade, die fußläufige Verbindung zwischen den Instituten ermöglicht und insbesondere mit Baumgruppen und Sitzmöglichkeiten eine hohe Aufenthaltsqualität bietet. Zwischen dem neuen Forschungszentrum, den Hörsälen und dem anatomischen Institut weitet sich diese Zone zu einem Platz, der „Campus-Plaza", der teilweise als Sitzforum ausgebildet ist und das städtebauliche Zentrum des Quartiers bildet.
Die Paul-Meimberg-Straße kann auf Grund des zu erwartenden geringen uni-internen Verkehrsaufkommens auch die Radwege-Verbindung aufnehmen. Ein separater Radweg ist nicht erforderlich. Neue Radwege sind entlang des Aulweges und der Schubertstraße vorgesehen.
Durch eine Nivellierung der Straßenniveaus, insbesondere durch die Entfernung des „Buckels" im mittleren Bereich, wird der Geländeeinschnitt zur Unterführung Aulweg entschärft. Es entsteht eine ebene, zusammenhängende Fläche, an der die talseitigen Gebäude niveaugleich angelagert sind. Der Versorgungstunnel ist durch diese Absenkung nicht tangiert und kann erhalten werden. Ein Anschluss der neuen Gebäude an die vorhandene Infrastruktur ist möglich.

Parken

Oberirdisch werden die bestehenden Parkplätze östlich der Paul-Meimberg-Straße mit der Zufahrt über Schlangenzahl bzw. Aulweg weitestgehend erhalten. Der Parkplatz vor dem Zahnmedizinischen Institut wird in ein 2-geschossiges Parkdeck umgewandelt, so daß 274 Stellplätze entstehen.

Ferner werden entlang der Schubertstraße durch die Umgestaltung des Straßenprofils 70 öffentliche Stellplätze, und beim Klinik- und Logistikzentrum 67 Stellplätze neu geschaffen.
Der überwiegende Teil des ruhenden Verkehrs (439 Kfz) findet auf 2 UG-Ebenen Platz, welche sich über die nördliche Hälfte der Gebäudespange erstrecken.
Bedingt durch das abfallende Gelände öffnet sie sich zwischen den Institutsfingern zum Teil nach Westen hin. Dadurch findet eine größtenteils natürliche Belüftung und Belichtung der Stellflächen statt.

Funktionale Ordnung

Das Forschungszentrum besteht aus drei Gebäuderiegeln, die durch großzügige Verbindungszonen zusammengeschlossen sind. Im Erdgeschoss ist diese als zusammenhängendes Foyer ausgebildet, an dem die öffentlich zugänglichen Hörsäle, Seminarräume, Bibliothek und ggf. auch ein kleines Studentencafe bzw. eine Cafeteria angeordnet sind. Im Foyer enden auch die durch Kartenleser gesicherten internen Treppenhäuser. Durch eine Abtrennung im EG sind diese Treppenhäuser zu der unter dem Foyer angeordneten Parkgarage öffentlich begehbar. Über eine Zugangskontrolle in der Mitte des Foyers gelangt man in den internen Bereich des Forschungszentrums. Eine großzügige Treppenanlage und Aufzüge erschließen die oberen Verbindungsebenen der drei Gebäudeteile. Da alle Bereiche Außenbezug haben, ist eine Orientierung in diesen Ebenen sehr leicht möglich.
Während die äußeren beiden Baukörper vor allem die Institute beherbergen, sind im mittleren Gebäuderiegel die temporären, individuell zuordenbaren Flächen der Drittmittelforschung untergebracht. Die Grundrisse der Riegel sind so organisiert, dass die Nutzerströme von der Halle aus in Längsrichtung der Riegel abnehmen. Gleichzeitig nehmen die Sicherheitsanforderungen an die Räume zu. So sind die S3- Labore (gelb) größtenteils am Ende der Flure angeordnet.

Erweiterungsflächen

Erweiterungsflächen sind im östlichen Grundstücksbereich zwischen dem Anatomischen und dem Zahnmedizinischen Institut vorgesehen. Die Chance einer späteren Anbindung der östlich des Wettbewerbsgebiets gelegenen Universitätsgebäude (IFZ) bleibt erhalten. Ferner sind weitere Baukörper als Ergänzung der Kammstruktur auf dem Plateau möglich.

Projektdaten / Details

Ort
Gießen, Deutschland
Bauherr
Hessisches Staatsbauamt Gießen
Funktion
Forschungszentrum
Status
1. Preis Wettbewerb 2003

B+P Projektteam

Projektleitung: Axel Müller
Planung: Marco Schlothauer, Jörg Adam

Leistung

Wettbewerbsbearbeitung

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